Bild: © Ubisoft Montreal / Ubisoft
Ein Gastbeitrag in der Astronautenbar von Don Pozuelo (Going To The Movies)
Ich bin ein Assassine der ersten Stunde. Ich kämpfe den Kampf gegen die bösen Templer und ihre miesen Machenschaften von Anfang an. Aber eigentlich bin ich auch nur eine Marionette. Wessen Marionette weiß ich nur leider nicht. Was wollen die Templer und was ist meine Aufgabe in diesem Krieg, der sich schon seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden hinzieht?
Zuerst war mein Name Altair, dann Ezio Auditore und dann… Desmond, ein junger Niemand, der sich nur dank des Animus an seine früheren Leben als Altair und Ezio erinnern konnte. Der sich erinnern musste, um zu überleben, denn ohne es zu wissen, ist er der wichtigste Spieler in diesem Spiel.
Jetzt hat dieses Spiel mit „Revelations“ seinen bereits vierten Ableger gefunden, aber lohnt es sich überhaupt noch in die Robe des Assassinen zu schlüpfen? Auf diese Frage gibt es zwei Antworten: Ja und Nein.
Das „Ja“ spricht natürlich für alle Assassinen-Fans, schließlich bildet „Revelations“ so etwas wie den Abschluss der Ezio-Saga. Nach den Abenteuern in Italien und Rom reist ein nun stark gealterter, aber dadurch keineswegs langsam gewordener Assassine in die Metropole Konstantinopel und in die Assassinen-Hochburg Masyaf, um Altairs Bibliothek zu finden. Wie immer sind ihm die Templer zuvorgekommen, und nun muss Ezio die fünf Schlüssel zur Bibliothek in Konstantinopel finden. In gewohnter Meuchelmörder-Manier klettert wir über Dächer, schleichen uns an unsere Opfer heran und töten sie, um ihnen ihre letzten Geheimnisse zu stehlen.
Das „Nein“ zu diesem vierten Teil plagt mich selbst als Fan der Serie: Es gibt wahrlich nichts Neues im Animus. Soll heißen: Es gibt wirklich keine sonderlich nennenswerten Neuerungen, der Spielablauf ist der gleiche wie bei allen anderen Spielen auch. Die Tatsache, dass man nebenbei auch ein wenig Altair wieder spielen darf, ist zwar nett, hilft aber auch nicht viel weiter.
Aber fangen wir von vorne an!
Und zwar mit Ezio! Die wichtigsten Neuerungen sind eine Hakenklinge und die Möglichkeit, sich verschiedenste Bomben selber zu basteln. Die Klinge hilft bei der Fortbewegung durch die Luft via gespannten Seilen, die Bomben dienen zum Töten, Ablenken oder Tarnen. Mit diesen Neuerungen war’s das dann aber auch schon. Alles andere ist wirklich wie schon in den Vorgängern auch. Kampfsystem gleich, Gegner gleich, alles gleich. Das Kampfsystem langweilt mittlerweile sehr und die Gegner werden unberechenbarer. Manchmal entdecken sie dich, obwohl du noch nicht einmal um die Ecke gegangen bist und stürmen auf die zu; dann wieder vergessen sich dich, wenn du nur zwei Straßen weiter läufst. Aber eigentlich ist es auch egal, ob du dich nun versteckst oder nicht: Ganz gleich, wie viele Gegner auch kommen, sie sind wie bisher. Es kommt immer brav einer nach dem anderen – folglich braucht man nur die Kontern-Taste drücken und nimmst es so mühelos mit einer ganzen Armee auf. Und wie gesagt, wegrennen ist auch okay, denn die Burschen verlieren schnell das Interesse.
Es gibt also keine wirklichen Herausforderungen für Ezio. Die Suche nach den Schlüsseln sind wie in Teil 2 und Brotherhood mit kurzen Hindernisläufen und kleineren Rätseln verbunden, aber auch das ist schon ein alter Hut. Aber wenigstens erhalten wir mit jedem Schlüssel, den wir erlangen, Zugang zu Altairs Erinnerungen.
Mit Altair erleben wir dann, wie es mit unserem ersten Assassinen nach den Ereignissen von Teil 1 weiterging. Vor allem für diejenigen, die den ersten Teil gespielt haben, macht das schon Laune (für alle anderen bietet „Revelations“ kostenlos den ersten Teil gleich mit
). Allerdings sind die Altair-Level von sehr kurzer Dauer und dazu noch sehr gradlinig.
„Assassin’s Creed: Revelations“ bietet somit zumindest die Zusammenkunft von Ezio und Altair, löst ein paar ungeklärte Fragen der vergangenen Titel auf und hinterlässt uns dank fiesem Cliffhanger sprachlos zurück.
Aber lohnt sich das Warten auf einen neuen Assassinen? Wer wird es nach Altair und Ezio sein? Natürlich werde ich als Fan der Reihe gespannt darauf warten, gleichzeitig kann man nur hoffen, dass sich Ubisoft für den nächsten Assassinen sehr viel mehr Mühe geben wird. In Punkto Leveldesign natürlich nicht, Konstantinopel sieht genauso atemberaubend aus wie vorher schon Jerusalem, Venedig oder Rom. Aber alles andere muss grundlegend überholt werden: Kampfsystem, Gegner und Spielablauf.
Man kann wirklich nur hoffen, dass mit dem nächsten Teil eine neue Ära von Assassinen entsteht – eine Ära, in der es wieder Spaß macht, über die Dächer zu steigen und sich heimlich von hinten an seine Opfer zu schleichen.