Bild: © Cine-International / Senator Film
Der Moderne Heimatfilm ist so etwas wie die Befreiung vom traditionellen und verklärten Heimatfilm. Ab den 70ern zeigt er ein unverblümtes Bild des Land- und Stadtlebens, vor allem während der Zeit des Nationalsozialismus. Für Interessierte zum Reinschnuppern sind die Filme von Joseph Vilsmaier empfehlenswert. Vilsmaier ist gelernter Filmtechniker und Kameramann, der mit Herbstmilch 1988 sein Debut als Regisseur abgelegt hat. Der Mann hat also in vielen Bereichen Erfahrung, was man dem Film anmerkt. Herbstmilch greift die biografische Niederschrift von Anna Wimschneider, einer deutschen Bäurin zur Zeit des Zweiten Weltkriegs auf. Dem Film gelingt ein unheimlich gutes Portrait vom arbeitsintensiven Landleben, dem Ausbruch Annas durch Heirat vom höfischen Patriarchat, hinein in eine neue Unterdrückung durch die Stiefmutter. Gerade die Frauenfiguren werden in Herbstmilch stark gezeichnet, muss die Protagonistin letztendlich die Arbeit auf Hof und Feld alleine stemmen. Ihr Mann Albert wird in den Krieg gezogen. Eine weitere Sache, die dem Film außerordentlich gut gelingt, ist eine kleine Analogie zwischen einer Geburts- und einer Todesszene. Anna Wimschneiders Mutter stirbt in einer Rückblende, der Vater kommentiert dies mit “Anna, jetzt musst du mehr arbeiten”, während in der gegenwärtigen Erzählung ein Kalb zur Welt gebracht wird. Im Leben und Sterben auf dem Hof stellt der Bauer letztendlich auch nur ein Nutztier dar. Andere Heimatfilme erzählen vielleicht noch eine Spur rauer, Herbstmilch bewahrt sich letztendlich noch eine kleine Portion Glück in der Handlung.
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