Doppelter Ridberger: American Gangster von Ridley Scott

2. September 2009

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Bild: © Universal Pictures

Wenn ein ausgezeichneter Regisseur wie Ridley Scott einen schwächeren Film macht, so ist dieser in Relation zu seinen Meisterwerken immer noch solide. Ähnlich verhält es sich mit Scotts Genrefilm American Gangster. Gangsterfilme besitzen stets eine Gemeinsamkeit: Man könnte jeden Film zur Hälfte ausschalten, und man hätte eine Art Happy End. Mit der Peripetie, wenn sich also das Glück in Unglück verkehrt, rauschen sämtliche Filme zur zweiten Hälfte dramaturgisch in tiefste Abgründe hinab. Bei American Gangster geschieht das nur teilweise, denn der Film ist eigentlich eine Kombination aus zwei Filmen und erzählt in einer Parallelhandlung. Denzel Washington spielt den aufstrebenden Drogendealer Frank Lucas, dem es im New York der 60er Jahre gelingt, der Bigboss der Stadt zu werden. Durch den direkten Drogenhandel mit dem Hersteller in Vietnam und Beziehungen innerhalb des amerikanischen Militärs gelingt es ihm, sämtliche Zwischenhändler in New York auszuschalten und so eine Monopolstellung im Drogenmarkt zu erwirtschaften. In der anderen Geschichte geht es um den prinzipientreuen Cop Richie Roberts, gespielt von Russel Crowe, der spiegelverkehrt versucht die Ordnung in der Stadt einzuhalten und sämtliche  Fasern des Drogengeschäfts zu sprengen. Während der mächtige Lucas in der obersten High Society mitspielt, sich eine hübsche Frau (Lymari Nadal) angelt und schließlich seine Großfamilie vereinen kann, verliert Roberts per Prozess Frau und Kind, schlägt sich mit Kleinverbrechern und korrupten Kollegen herum. Als Roberts zum Kopf einer Spezialeinheit berufen wird, beginnt die Jagd auf die Drogenbarone und die Spur führt zwangsläufig zu Lucas. Man verrät nicht zu viel, aber natürlich treffen Lucas und Roberts am Ende der Handlung aufeinander. Beide haben bis zu diesem Punkt unterschiedliche Dramaturgien durchlebt – der eine vom Aufstieg und Fall, der andere vom Fall und Aufstieg. Dies macht den Film durchaus interessant, wenn auch eben etwas zwiegespalten. Man wäre letztendlich auch stärker moralisch in die beiden Handlungsebenen involviert, wären sie weniger klischeehaft geraten. Gewalt und Drogen sind im Film beiläufige und unreflektierte Elemente, gerade der Denzel Washington Part wirkt unheimlich eindimensional. Washington ist zweifellos ein guter Schauspieler, für seine Rolle als krimineller Supergangster jenseits der New Yorker Mafia ist er fast fehlbesetzt. Was würde ein Marlon Brando mit ihm anstellen? Auch sitzen im Finale nicht wirklich Roberts und Lucas am Tisch, sondern die beiden Hollywoodstars Crowe und Washington. Beide natürlich sympathische Smartasses. Dieser Konflikt wurde in Face/Off (1997) von John Woo bereits reflektiert, und wirkt in American Gangster etwas unbeholfen. American Gangster ist ein solider und guter Gangsterfilm, aber kein Ridley Scott Meilenstein.

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Spanksen September 2, 2009 um 13:31

Sehe es wie du. Durchaus kein schlechter Film ,aber meine hohen Erwartungen wurden leider nicht erfüllt

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donpozuelo September 2, 2009 um 14:18

sehr schöner satz: “solider und guter gangsterfilm, aber kein ridley scott-meilenstein”

ich hatte mir damals auch mehr von dem film erhofft und war dann doch irgendwie fasziniert, dass das ein ridley scott film gewesen sein soll.

naja, jetzt will er ja “monopoly” verfilmen (kein scherz). wünschen wir ihm doch erfolg damit. ansonsten darf er nicht über los ziehen und auch kein geld einheimsen…

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elbenno September 2, 2009 um 16:37

Monopoly als Stoff für eine Verfilmung ist neben Lego das dämlichste, was ich in letzter Zeit gehört habe ;-)

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donpozuelo September 2, 2009 um 18:24

ich weiß, aber ich glaube, an so etwas müssen wir uns in zukunft mehr und mehr gewöhnen… es wird nur schlimmer und unkreativer (siehe “World of Warcraft” oder “Asteroids” – soll alles kommen

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elbenno September 2, 2009 um 20:07

Wobei World of Warcraft genug Stoff und finanzielle Power für ein gutes Drehbuch hätte. Asteroids? Die sind total verrückt ;-)

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donpozuelo September 2, 2009 um 21:48

Problem bei WoW wird nur sein, dass der schneller im Netz verteilt wird als andere Filme… aber selbst wenn nur ein fünftel aller spieler in den film geht, wird das wohl schon ausreichen

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elbenno September 3, 2009 um 10:03

Pass auf, die machen das bestimmt so: Der WoW-Film erscheint als Collectors Edition (natürlich in unbegrenzter Stückzahl) für 80 Euro inklusive einem ingame Pet. Und alle 12 Millionen werden ihn kaufen. ;-)

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