Who watches the Watchmen?

14. September 2009

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Über Watchmen wird spätestens mit dem aktuellen DVD-Release wieder unheimlich viel geschrieben. Natürlich muss die Astronautenbar hier ihren Beitrag leisten. Eine Sache vorweg: Die sechsteilige Reihe (1986/87) von Alan Moore und Dave Gibbons ist vielleicht der genialste Superheldencomic ever. Ein Meisterwerk seiner Art und vergleichbar perfekt wie Frank Millers The Dark Knight returns. In der Diskussion, ob Comics tendenzielle Leichtkost oder gar vollwertige und anspruchsvolle Medien sind, sollte man Pro Comic immer zwei Karten zücken: Art Spiegelmans Maus – A survivor’s tale, die Biografie eines jüdischen KZ-Überlebenden im Dritten Reich, und Watchmen. Ersteres veranschaulicht hochwertigen Inhalt, Emotionalität und Bindung an (Comic-) Figuren, letzteres veranschaulicht ein Universum an Stilmitteln und die scheinbar grenzenlose Leistungsfähigkeit des Mediums selbst. Das Watchmen Comic ist ein bis ins Detail durchkomponiertes Erlebnis. Deswegen geht es mir mit der Verfilmung ähnlich wie mit dem Hitchhikers Guide to the Universe und seiner Buchvorlage: Wenn die Faszination in der Machart des Ursprungsmediums begründet liegt, was bietet uns die Verfilmung als Ersatz? Eine Verfilmung muss ergänzen, denn Film ist nicht Literatur oder Comic. Trotzdem ist es reizvoll, einen bewährten Stoff zu verfilmen, kommt der Film mit seiner Visualität unserer  Erfahrung von Realität sehr nahe. Wir wollen die Dinge sehen. Sieht man also die Watchmen Verfilmung an, dann liegt viel Augenmerk erstmal auf den Bildern, den Bildern in Bewegung, welche sehr dicht an den Comicpanels und ihren jeweiligen Perspektiven gehalten sind. Großartige Referenzen. Regisseur Zack Snyder hat viel Hochglanz und Farbfilter neu beigemischt, was dem eher zweckdienlichem Look und der kontrastreichen Kolorierung des Originals widerspricht, aber okay, inklusive filmischer Tricks wie Bullettime und großem CGI Aufgebot. Watchmen ist also ein typischer Film des neuen Jahrtausends, war gerade als Comic jedoch ein untypischer Vertreter des alten Jahrtausends. Und deswegen ein Meilenstein. Bei der Verfilmung von Watchmen geht es also um Schadensbegrenzung: Wie kompromissbereit kann Kino im Jahre 2009 sein? Auch wenn die Story unangetastet bleibt, das allgemeine Design und die Besetzung ausgezeichnet gelungen sind, fehlt dem Film der wesentliche Watchmenfaktor: Prinzipien und Regeln eines Mediums zu reflektieren, mit ihnen zu spielen um etwas Neues und Besonderes zu schaffen. Watchmen ist bei Gott kein schlechter Film, aber so etwas wie Sekundärliteratur. Man bekommt eine Ahnung und einen Einblick in die Materie, das echte Gefühl bleibt einem aber verwehrt. Folgerung: Den Comic unbedingt lesen. Film eventuell sehen. Und dann erst die Kritik schreiben.

I heard a joke once: Man goes to doctor. Says he’s depressed. Says life is harsh and cruel. Says he feels all alone in a threatening world. Doctor says, “Treatment is simple. The great clown Pagliacci is in town tonight. Go see him. That should pick you up.” Man bursts into tears. Says, “But doctor… I am Pagliacci.”

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Mathilda September 14, 2009 um 10:52

Ich kannte die Comicreihe nur vom Hörensagen, bevor ich den Film sah. Dieser hat mich aber sehr beeindruckt. Satire und Superhelden – toller Mix. Zum Nachdenken gebracht durch deinen Artikel, muss ich mir wohl doch noch mal die Comics zur Gemüte führen.

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elbenno September 15, 2009 um 08:32

Wenn du gerne Comics liest sowieso. Mit der Handlung im Hinterkopf fehlt natürlich auch ein gewisser Reiz. Watchmen gibt es auch oft in gut sortierten Bibliotheken zum Ausleihen. Falls du es in die Hände bekommst, viel Spaß!

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Mathilda September 16, 2009 um 16:39

Ich glaube in unserer gut sortierten Buchhandlung im beschaulichen Essen…. Keine Chance! Meinst du der Reiz fehlt, wenn man den Film gesehen hat? Ich finde im Gegenteil, dass es oftmals besser ist den Film zu sehen, bevor man die Vorlage liest. Dann ist man unvoreingenommener. Besonders, wenn man sehr detailkritisch ist so wie ich.

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elbenno September 16, 2009 um 18:27

Dann nur zu, der Comic rockt. Und über deine Meinung würde ich mich anschließend freuen! Oft ist es ja andersrum – ich wollte bevor Lord of the Rings vor ein paar Jahren in die Kinos kam auch noch “eben” die Bücher lesen. Auf Seite 100 habe ich dann die Gefährten im Kino gesehen und anschließend die Bücher ins Regal gestellt. Wo sie heute noch ruhen. ;-) Nichtsdestotrotz: Viel Spaß!

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donpozuelo September 14, 2009 um 12:20

“Watchmen” ist wirklich ein genialer Comic. Den muss man einfach mal gelesen haben. Der Verfilmung habe ich daher immer sehr skeptisch gegenüber gestanden. Ich gebe dir vollkommen Recht, einen tiefen Einblick in “Watchmen” bekommt man nicht. Allein schon die Tatsache, dass die Reihe einen Comic im Comic hat (ein Piratenabenteuer) kann der Film überhaupt nicht miteinbringen.

Allerdings darf ich dich an einer Stelle korrigieren: Die Story wurde zugunsten des Films am Ende etwas verändert. Das ist nicht wirklich schlimm, denn das Filmende passt wesentlich besser zum Film. Der Versuch, das “Original-Ende” im Film zu präsentieren, hätte dazu geführt, dem Zuschauer noch mehr Nebeninformation zukommen zu lassen. Und dann hätte das den Rahmen eines Films komplett gesprengt.
(http://goingtothemovies.wordpress.com/2009/03/09/who-watches-the-watchmen/)

Daher kann ich mich deinem Rat nur anschließen: Erst den Comic lesen.

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elbenno September 15, 2009 um 08:36

Danke für den Link, den werde ich gleich lesen. Bin gespannt. Das Comic im Comic, oder die Verflechtung mit Printmedien überhaupt in Watchmen ist sensationell. Das Ende ist doch in Grobzügen mit seinen Wendungen erhalten geblieben, oder? Werde noch einmal im Comic nachlesen, ist jetzt auch schon ein paar Jährchen her bei mir.

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donpozuelo September 16, 2009 um 08:30

Im Groben ist das Ende gleichgeblieben, es wird nur anders herbeigeführt als im Comic

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elbenno September 16, 2009 um 11:35

Danke, hab im Comic gestern noch einmal genauer nachgelesen, um für die Diskussion weiter unten besser gewappnet zu sein. ;-)

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stiller September 14, 2009 um 13:24

Ich habe den Comic erst nach dem Film gelesen, aber eher unfreiwillig. Wollte ihn schon länger lesen, hatte ihn auf der Wishlist, dann war er ausverkauft. Gut, hätte die deutsche Version kaufen können, aber ich lese Comics lieber im Original, allein aus dem Grund, dass sie viel günstiger sind als die deutschen Editionen. Und im Endeffekt hab ich den Film auch in den Niederlanden auf Englisch gesehen.

Natürlich ist es jetzt ein bisschen schwierig, den Film aufgrund der Comicvorlage zu beurteilen, zumal ich ihn nach Lesen des Comics nicht noch mal gesehen habe. Gefallen hat er mir sehr gut, der Comic aufgrund der längeren Story noch besser. Scheinbar gibt es diese Piratensequenz ja auch auf Film und im hier noch nicht erschienenen Director’s Cut. Der Film ist aber allein durch seine Bildgewalt faszinierend, setzt aber auf Moore’s Story und den Tiefgang, das unterscheidet Watchmen durchaus von anderen Comicverfilmungen, mal von Nolan’s Batman-Reihe abgesehen.

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elbenno September 15, 2009 um 08:39

Tales Of The Black Freighter gibt es hier als Einzel-DVD, die mir jedoch zu teuer ist. Was mich interessieren würde wäre noch “Watchmen – The Complete Motion Comic”, von dem man im Watchmen Bonusmaterial viel sieht. Und die Comicpanels sind einfach großartig.

Das mit dem Comic auf Englisch lobe ich mir. Filme in OMU bevorzuge ich auch, bei Comics bin ich noch nicht so weit.

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stiller September 15, 2009 um 17:43

Das mit den Comics ist halt auch wirklich eine Geldfrage. Watchmen kostet in der deutschen Fassung ja satte 30€, ich hab die englische für 12€ gekauft. Und auch meine Brian Wood-Sammlung kostete im Original nur die Hälfte. Übrigens auch sehr empfehlenswert. ;)

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elbenno September 15, 2009 um 18:53

Ich hatte Watchmen noch zu DM Zeiten gekauft. Meine aber auch so um die 50 Mark für das komplette Sammelband hingelegt zu haben. Ja, Comics sind leider echt schweineteuer. Sogar das 08/15 Zeugs am Kiosk. Brian Wood habe ich noch nie gelesen, hat laut Wiki aber auch für Marvel schon illustriert. Ein spezieller Comic von ihm als Empfehlung?

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stiller September 15, 2009 um 23:47

Er hat sehr unterschiedliche Sachen. Als fortlaufende Serie aktuell DMZ, über ein Amerika im Post-Irak-Bürgerkrieg.

Aber was dich mehr kicken könnte und was ich sehr faszinierend zu lesen fand war Demo, eine Comic-Reihe, in der Jugendliche und junge Leute die Hauptrollen spielen, die Superkräfte haben und darunter leiden, damit klar kommen müssen. Gibt es als Sammelband und es wird dieses oder nächstes Jahr eine Fortsetzung geben. Hier steht ein bisschen mehr: http://en.wikipedia.org/wiki/Demo_(comics)

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elbenno September 16, 2009 um 11:30

Wir haben hier einen guten Comicladen in der Stadt. Werde mal nach Demo Ausschau halten demnächst.

Der hier scheint ja auch recht angetan zu sein:

http://www.youtube.com/watch?v=e3Lw0MoLXXA

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Spanksen September 14, 2009 um 14:57

Hab den Comic nie gelesen, auch der Film ist zuerst total an mir vorbeigegangen. Hab den mal Spontan in der Videothek ausgeliehen ohne große Erwartungen an Story und Effekte, ging davon aus das es sich um ne X-man Kopie handelt. Dementsprechend hat mich der Film dann auch weggeblasen, ich war wirklich beeindruckt!

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elbenno September 15, 2009 um 08:41

Witzig, weil ich genau das bei den ersten Trailern auch gedacht habe. Obwohl ich da die Vorlage schon längst kannte. Glücklicherweise ist er dann eben doch nicht eine X-Men Variante.

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Dr. Borstel September 14, 2009 um 15:27

Ich hatte mit Superhelden-Comic eigentlich nie viel am Hut (komme eher so aus der Manga-Ecke …) und “Watchmen” auch immer noch nicht gelesen. Habe aber auf jeden Fall vor, das nachzuholen, denn den Film fand ich wirklich großartig – neben “The Dark Knight” meiner Meinung nach die beste Comic-Verfilmung bisher. Ohne das Original zu kennen, sind solche Aussagen natürlich immer so eine Sache. Aber an den Comic habe ich mittlerweile solche riesigen Erwartungen, dass ich mich schon fast nicht traue, mich wirklich da ranzuwagen …

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elbenno September 15, 2009 um 08:45

Danke für den Link, auch deinen Artikel werde ich interessiert lesen. Dark Knight und Watchmen – gebe ich dir recht. Was meinst du zu Spiderman, der zweite Teil ist doch auch recht gelungen. Als Manga Fan hast du ja ein Paradies an guten Animes.

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Dr. Borstel September 15, 2009 um 22:07

Mit Anime shabe ich eigentlich gar nicht soo viel am Hut, hab’s lieber auf Papier – vermutlich haben als die Kiddie-Anime-Serien von Pokèmon bis Yu-Gi-Oh mich nachhaltig geschädigt. ;-) Hmm, ich fand den ersten Spiderman so furchtbar, dass ich mir den zweiten nicht mehr angetan habe. Vielleicht hole ich das bei Gelegenheit aber noch nach.

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elbenno September 16, 2009 um 11:34

Wenn dir der erste Spiderman missfallen hat, dann wird es vermutlich auch der zweite. Obwohl er ziemlich gut drauflegt, nachdem in Teil 1 die ganze Hintergrundstory abgearbeitet wurde. Pokèmon & Co. sind nicht mehr meine Generation. Müsste man nur noch klären, ob das gut oder schlecht ist. ;-)

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C.H. September 14, 2009 um 15:57

Ich finde überhaupt nicht, dass “Watchmen” ein “typischer Film des neuen Jahrtausends”ist – zukindest wenn man über das Genre der Comic-verfilmungen redet. Wenn man sich die lange Reihe der standartisierten Comic-Verflimungen ansieht die seit Jahren das Kino überschwemmen, dann zeichnet sich Synders Film zuvorderst durch eine überraschende Kompromisslosigkeit aus, die so im Genre der Comic-Verfilmungen nur selten zu sehen ist. Komischerweise fällt Synder dann aber ausgerechnet am Ende des Films in einen Weichspülmodus, der dem Ende des Comics nicht gerecht wird. Was sehr schade ist!

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elbenno September 15, 2009 um 08:54

Auf was beziehst du die “überraschende Kompromisslosigkeit” Zack Snyders deiner Meinung nach genau?

Im Artikel habe ich über die visuelle Ästhetik des Films gesprochen: Wenn sich Nite Owl beispielsweise in Slowmotion vom Jet auf die Straße fallen lässt, breitbeinig landet, kampfbereit, in seinem schwarzen Lederoutfit. Das wirkt nicht nur übermächtig cool wie aus einem Batman Film, sondern ist ein nicht weiter überraschendes Kompromiss an die modernen Filmästhetik seit Matrix. Wenn du das Comic zur Hand nimmst, dann hast du auf den ersten Blick was Design und vor allem die Farbgebung anbelangt, den Eindruck von etwas biederem. Nite Owl ist im Comic braun / gelb, und äußerst ungelenk und impotent.

Weichspülmodus am Ende mag vielleicht sein, das hat oben Don Pozuelo schon etwas angemerkt. Werde ich noch einmal genauer nachlesen.

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C.H. September 15, 2009 um 14:43

was die visuelle Ästhetik angeht, hast du mit Recht. “Watchmen” ist mit Sicherheit in der Optik sehr modern. Nichts desto trotz ist der Film für mich weitaus kompromissloser als es die meisten seiner Artverwandten sind: 1. Der Mut zur Länge und Dialoglasitgkeit. Mit 2,5 Stunden und im DC sogar 3 Stunden Spielzeit verlangt der Film seinen Zuschauern überaus viel Aufmerksamkeit ab (Was für Cimicverfilmungen nicht gerade typisch ist). 2. Die Darstellung der Gewalt: Synders Behaeren gegen den anfänglichen Wiederstand der Studios auf einem PG-17 Rating ist auch eher untypisch für das Genre (Sehen wir mal von “Sin City” und “300″ ab).

Und gerade der Punkt Nummer 2 macht ja das Ende von Synder so schwer verdaulich. Ich glaube worauf Don Pozuelo hinauswollte ist, dass im Comic irgendwelche Aliens für den Angriff verantowortlich gemacht werden, und bei Synder ist es Dr. Manhattan der als Sündenbock herhalten muss. Diese Änderung hat mich aber weniger gestört, sondern etwas anderes. Wenn man sich mal im Comic die Seiten nach dem Angriff anschaut, dann hat Moore ein auch in der Optik drastische Massaker gezichnet, was den perversen Charakter der “Weltrettung” von Ozymandias noch unterstreicht. Snyder aber macht daraus einen weichgespülten Look, der sich gegen Ende sogar in “Häusle baue” und Sonnenschein auflöst – Und das ist angesichts der Gewaltorgie, die er da in den vorigen 2-3 Stunden entfacht hat, geradezu feige.

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elbenno September 15, 2009 um 16:02

Genau, habe den Comic eben noch einmal durchgeblättert. Ursprünglich war es das Tentakelmonster aus dem All, nun ist es Dr. Manhattan, der als Sündenbock benutzt wird. Finde ich fast interessanter. Mit der expliziten Darstellung im Comic hast du natürlich recht, die ersten sechs Vollbildseiten von Kapitel 12 sind drastisch “Eine bessere Welt mit mehr Liebe”.

Aber für was entscheidest du dich letztendlich: Ist Watchmen nun kompromisslos oder weichgespült? Ich empfand den Film anfangs weder zu hart, noch am Ende zu weich. Er war glatt poliert. Im Gegensatz zum Comic. Was du mit “Mut zur Länge und Dialoglastigkeit” bezeichnest, empfand ich bereits als Langatmigkeit. Dieses Gefühl hatte sich mit dem Comic nie eingestellt.

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Dr. Borstel September 15, 2009 um 17:02

Das Comicende unterscheidet sich also vom Filmende? Interessant, das wusste ich gar nicht. In dem Fall gefällt mir, auch ohne den Comic gelesen zu haben, zumindest das Ende im Film sicher besser. Denn das war wirklich kompromisslos. Ich finde, es symbolisiert eigentlich exzellent das meiner Meinung nach wichtigste und interessanteste Thema, das in Superheldencomics verarbeitet wurde, und zwar: Wie viel Macht darf ein einzelner haben und wozu darf er sie benutzen? Im Film ist das Finale so großartig, so philosophisch angelegt, dass es sich wirklich lohnt, darüber nachzudenken oder zu diskutieren. Gegenüber dem irgendwie laschen Ende von “The Dark Knight” zum Beispiel – man merkt schon, meine Vergleiche sind ein bisschen einseitig angelegt, andere Beispiele hab ich offensichtich nicht – ist die Geschichte hier wirklich brutal und unausweichlich bis zum Ende durchgezogen, und das hat mich wirklich beeindruckt.

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C.H. September 15, 2009 um 18:22

Ich finde nicht, dass man gerade im Vergleich zum Comic (Das Ende sparen wir jetzt mal kurz aus) dem Film unterstellen kann glatt poliert gewesen zu sein, gerade was die Gewaltdarstellung angeht (Und der DC setzt da sogar noch ein wenig was drauf). Wenn du zum Beispiel an die Szene im Gefängnis im Comic denkst, und dann an die abgesägten Arme im Film (Ein weiteres Beispiel wäre die Geschichte um Rorschach und dem Kinderschänder), dann kann man schon zu dem Schluß kommen, dass der Film weitaus expliziter in der Gewaltdarstellung ist, als es der Comic ist.

Ist Watchmen nun kompromisslos oder weichgespült?

Tja, und das kann ich eben nicht mit Ja oder Nein beantworten. Bis zum Finale würde ich sagen: Ja, der Film ist kompromisslos, vermasselt aber sein Ende, das sowohl im Verhältnis zum Comic als auch zum Rest des Films zu weich ist.

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elbenno September 15, 2009 um 18:47

Das ist eben das Hollywood Dilemma: Es ist okay, wenn man einem fetten Schwerverbrecher die Arme absägt, einem Pädophilen den Kopf zertrümmert, oder im Spartanerkontext Leichenberge anhäuft, beim realen Amerika wird es in Darstellungsfragen aber schon kritisch. Vielleicht auch gerade nach dem 11. September. Immerhin wurde das Massenmassaker an der Zivilbevölkerung nicht ganz ausgeblendet, man sah die Druckwelle, und man erfuhr vom Ausmaß. Für mich hat das jedenfalls gereicht. Ohne dass es sich weichgespült angefühlt hätte.

Der Watchmen Film veranschaulicht eines ziemlich gut: Man ist involviert in die Handlung, man bildet eine Meinung und denkt wie von Dr.Borstel beschrieben viel über den Ausgang und Grundfragen der Geschichte nach. Wie man an der guten Diskussion hier auch sieht.

Trotzdem, und da verweise ich noch einmal an den Beitrag, bleiben sämtliche Innovationen und Eigenheiten des Comics bei der Verfilmung natürlich außen vor, da Watchmen viel mit dem Medium selbst gearbeitet hat.

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