Es ist ja immer interessant zu sehen, wie Filme mit dem Thema Tod umgehen. Ob das Sterben ein zentrales Motiv innerhalb der Dramaturgie darstellt, ob es eher beiläufig geschieht oder ob man im Rausch der Bilder überhaupt noch wahrnimmt, wie viele Menschen in der letzten Sequenz ihr Leben ließen. Inwieweit reflektieren Filme Sterblichkeit, die sicherste Bestimmung des menschlichen Daseins? Ingmar Bergman, bekannt für große Themen in seinen Filmen, hat mit seiner Umsetzung zu Das Siebente Siegel (1957) ein eigenes Kurztheaterstück namens Trämålning aufgegriffen. Die rund 90 Minuten Spielzeit sind eine einzige metaphorische Sterbeszene. Ritter Antonius kehrt im 16. Jahrhundert mit seinem Knappen Jöns vom Heiligen Kreuzzug in die Heimat zurück. Hier tobt nicht nur die Pest, sondern auch die Inquisition und ein paranoider Gottesglaube. Als Antonius am Ufer gestrandet vom leibhaftigen Tod abgeholt werden soll, fordert er diesen zu einer Partie Schach heraus. Solange das Spiel anhält, kann Antonius nicht sterben. Verliert er, nimmt ihn der Tod mit. Da die Niederlage unausweichlich ist, der Tod ist ein begnadeter Spieler, nutzt Antonius die ihm verbliebene Zeit um zentrale Lebensfragen zu beantworten: Gibt es einen Gott, und wenn ja, warum gibt es sich in dieser gottlosen Zeit nicht zu erkennen? Antonius und Jöns bilden im Laufe der Handlung den Kern einer Art Gefährtengruppe. Da gibt es eine kleine Schauspielertruppe, den Dorfschmied und seine Frau, und ein junges Mädchen, welches bezichtigt wird mit dem Teufel im Bunde und eine Hexe zu sein. Schauspieler Jof hat im Übrigen Marienerscheinungen, erkennt er auch als einzigen den Tod, der über Antonius schwebt und letztendlich über die ganze Gruppe hineinzubrechen droht. Ob Antonius zum Schluss seine Frage nach Gott beantworten kann, und seinen Glauben findet, bleibt unausgesprochen. Das ist reine Interpretationssache des Zuschauers. Antonius findet das Leben wieder, bevor er dieses lassen muss. Es ist nicht einfach zu beschreiben, was den Reiz von Ingmar Bergman Filmen ausmacht. Trotz ihres Alters treffen sie immer ins zeitlose Schwarze und lassen doch genau den Raum ihres Thema weitgehend offen, so dass man diesen mit seinen eigenen Gedanken und Vorstellungen auszufüllen versucht. Sehr interaktiv und anregend, und genau wie Wilde Erdbeeren ein Filmtipp. Das Siebente Siegel ist ausgezeichnet fotografiert, ist auf sanfte Weise komödiantisch und für Filmnerds ein Muss: Der Tod gespielt von Bengt Ekerot ist eine vielzitierte Figur der Filmgeschichte, unter anderem in David Lynchs Lost Highway. Womit wir auch wieder Lynch ein Stück besser verstehen.
I met Death today. We are playing chess.
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Da hast mich aber wirklich neugierig gemacht!
das ist gut!
“das siebente siegel” ist bei mir ganz oben auf der liste und durch deinen artikel wohl noch ein stük höher gerückt. wenn der film dann auch noch ein besseres Verständnis für David Lynch bietet, dann nichts wie her damit.
Ich kann dir übrigens Georg Sesslens Buch “David Lynch und seine Filme” empfehlen. Auch wenn die Amazonkritiken nicht so toll sind, bietet das Buch ein interessantes Verständnis zum Schaffen Lynchs. Gibt es manchmal günstig bei Ebay.