Wenn die erste Platte im Leben, die man sich als Grundschulknirps schüchtern auf einem Flohmarkt gekauft hat, eine Kiss Schallplatte war – wenn man an Fasching statt als Cowboy als Ace Frehley verkleidet auf die Straßen ging, und keiner der Gleichaltrigen überhaupt eine Ahnung hatte, was man eigentlich darstellen sollte – wenn man sich stundenlang die Plattencover mit den geschminkten Gesichtern anschaute, und mit Legofiguren ganze Konzerte zur überspielten TDK-Kassette Alive II nachspielte – dann war so einiges im Leben bereits vorprogrammiert. Neben dem kompromisslosen Einstehen der zeitlosen Tugenden des Rock’n'Rolls, besitzen richtige Kiss Fans einen stets offenen Geldbeutel für sämtliche Dinge auf denen das Kiss Logo prangt. Dafür sorgen bis heute die Kiss Masterminds Paul Stanley und Gene Simmons, die in bald 40 Jahren Bandgeschichte regelmäßig neue Kiss Produkte auf den Markt werfen. Und wir hatten schon alles: Comics, Computerspiele, Filme, Actionfiguren, Vesperboxen und so weiter. Als Kiss in den 70er Jahren in den USA so richtig einschlugen, war ich noch gar nicht geboren. Ich habe Kiss als Dreikäsehoch ab Mitte der 80 aufgearbeitet, auf Flohmärkten und in Schallplattenläden, in alten Bravos und bei cooleren Freunden meiner älteren Geschwister. Denn in den 80er Jahren waren Kiss fast schon wieder out. 1996 kam ich dann in den Genuß zur großen Reuniontour, die Band einmal in Originalbesetzung und Schminke in Stuttgart live zu sehen. Nie hatte ich mehr Sorge, der Tinnitus vom Konzert würde am nächste Tag und fortan bleiben. Seit wenigen Wochen haben Fans in Deutschland nun die Möglichkeit Kiss in den 70ern zu sehen: Kissology – The Ultimate Kiss Collection. Das erste DVD Set zeigt die Band in den 70er Jahren, über 6 Stunden original Video- und TV-Aufzeichnungen am Stück. Das meiste Material besteht aus einfachen Konzertmitschnitten, zuerst in kleinen US Clubs, dann auf der großen Kiss Bühne inklusive der typischen Gadgets, und schließlich auch in England und Japan. Dabei kommt es vor, dass man einen Song wie Firehouse insgesamt fünfmalig sieht, witzigerweise mit immer gleichen Posen und Laufwegen auf der Bühne. Kleinere Fernsehinterviews und Auftritte in Shows sind zwar auch enthalten, verbinden aber eher kurzweilig größere Konzertblöcke. Der neue Audiokommentar ist überraschend kurz, alles in allem wird insgesamt eine gefühlte halbe Stunde punktuell geplaudert, die restlichen Stunden bleiben weitgehend unkommentiert, was ein wenig schade ist. In erster Linie bekommt man also ungefiltertes Videomaterial von akzeptabler Bildqualität, was aber durchaus seinen Reiz hat. Drei weitere Boxsets werden erscheinen und komplettieren die Videogeschichte der Band. Etwas dreist ist die dreifache Ausführung eines jeden Volumes, welche sich lediglich in der beigelegten Bonus DVD unterscheiden. Will man also alle Boni sammeln, muss man sich insgesamt 12 Kissologys zulegen. Die Herren verstehen noch immer, den treudoofsten aller Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen, wobei die Bonus DVDs wohl eher als nette Dreingabe gesehen werden sollten und nur sekundär wichtig sind. Man bekommt auch so seine Portion Rock’n'Roll all night and party everyday. Und vor allem die Erkenntnis, dass Kiss hinter ihrer Aufmachung vier ziemlich gute Livemusiker sind, die bereits früh mit einer sehr professionellen und durchstrukturierten Bühnenperformance gerockt haben. Fast wie Theater.
I wanted to be in a band that gave bang for the buck. I wanted to be in the band who didn’t look like a bunch of guys who, you know, should be in a library studying for their finals.
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