Takeshi Kitano: 菊次郎の夏 Kikujiros Sommer

29. September 2009

Post image for Takeshi Kitano: 菊次郎の夏 Kikujiros Sommer

Takeshi Kitano ist so etwas wie ein Allround Künstler. Er ist Maler, Dichter, Schauspieler, Regisseur, Autor und Moderator. Vor allem als Comedian ist Kitano in Japan äußerst populär, seine schräge Gamesshow Takeshi’s Castle war ein internationaler Erfolg. Und weil ihn die Japaner gerade aus seiner Radiozeit noch so lustig finden, pflegt Kitano in seinen Filmen kaum bis gar nicht zu sprechen. Sobald die Zuschauer seine Stimme hörten, würden sie ganz einfach lachen. Egal ob es ein lustiger oder ernster Film sei. In Kitanos Filmen geht es immer um große Gefühle, Kikujiros Sommer von 1999 ist vielleicht der lustigste Vertreter seines Filmschaffens, bietet jedoch auch ein gutes Stück Melancholie und viel Poesie. Der kleine Masao lebt bei seiner Großmutter in Tokio. Als die Sommerferien beginnen findet er sich komplett alleingelassen zurück, die Großmutter arbeitet täglich in einer Imbissbudenzeile. Durch Zufall entdeckt Masao die Postanschrift seiner Mutter, die, so sagt die Großmutter, vor Jahren einer Arbeitsstelle wegen wegzog, um überhaupt für den Unterhalt Masaos aufkommen zu können. Masao fasst den Entschluss eine Reise zu seiner Mutter anzutreten, um diese endlich kennenzulernen. Kaum eine Straßenecke später gerät Masao in Bedrängnis einiger Jugendlichen, ein befreundetes Ehepaar der Großmutter kommt zu Hilfe. Der schroffe Taugenichts Kikujiro (Takeshi Kitano) wird von seiner Frau schließlich angesetzt, Masao auf seine Reise zu begleiten. Kikujiro steuert mit dem Jungen erst einmal die Radrennbahn in Tokio an und verzockt innerhalb von zwei Tagen das gesamte Reisegeld, das ihm seine Frau für beide mitgab. Abgebrannt und reichlich frustriert starten beide in einen der wunderschönsten Roadmovies überhaupt, welcher sehr sensibel und speziell eine Vater/Sohn Bindung spinnt. Und alles in unheimlich schönen Bildern, die von Malereien Kitanos begleitet werden. Klarerweise steht die äußere Reise in Kikujiros Sommer eigentlich für eine innere, Masao und Kikujiro reifen aneinander und gewinnen am Ende etwas anderes als erwartet. Kikujiros Sommer ist manchmal sehr still, dann auch wieder total überspitzt, schräg und witzig. Die Filmmusik ist typisch japanisch, große Melodien, Zucker, Dramatik und Emotionen. Wenn der pummelige Masao zu Beginn des Films mit einem kleinen Rucksack, an dem kleine Engelsflügelchen hängen, durch die Straßen Tokios rennt, dann hat einem der Film auch schon. Takeshi Kitano braucht nicht viele Worte.

Masao: You see? Asking politely is easier.
Kikujiro: Shut up, smart-ass.

Ähnliche Beiträge:

  1. TV-Tipps 12. September – 18. September
  2. Jim Jarmusch: Broken Flowers

{ 9 comments… read them below or add one }

Spanksen September 29, 2009 um 15:03

Takeshi’s Castle war der Hammer, den scheiß würde ich mir heute noch anschauen :mrgreen:

Aber mal ehrlich, wie kommst du auf solche Filme, noch nie von gehört

Antworten

elbenno September 30, 2009 um 10:41

Takeshi Kitanos Filme sind bei uns gar nicht sooo unbekannt. Vorletzte Woche liefen zwei im TV-Programm. Aber für viele einfach noch ein Geheimtipp.

Antworten

dieTauschlade September 29, 2009 um 15:32

klingt toll!

Antworten

elbenno September 30, 2009 um 10:43

Na ich hoffe. Schwer zu (be-) schreiben manchmal.

Antworten

Dr. Borstel September 29, 2009 um 22:21

Urrrks, Takeshis Castle … Das fand ich schon zu Grundschulzeiten furchtbar, sprich in dem Alter, in dem jeder normale Mensch auf so einen Mist steht. ;-)

Antworten

elbenno September 30, 2009 um 10:45

Dann kannst du ja nochmal in Nostalgie schwelgen, Wikipedia hat alle Disziplinen säuberlich aufgelistet ;-)

http://de.wikipedia.org/wiki/Takeshis_Castle

Antworten

Dr. Borstel September 30, 2009 um 16:07

Ich glaube, das spar ich mir mal. :-D

Antworten

donpozuelo September 30, 2009 um 08:20

Ein toller Film. Kann ich nur zustimmen.

Takeshis Castle war doch wohl auch nur mehr eine Geld-Mach-Maschine, oder nicht??? Dass er wegen seiner Radio-Vorgeschichte nicht spricht, wußte ich noch gar nicht. Ist aber auch nicht weiter schlimm – die Filme funktionieren trotzdem. Kitano hat einfach die richtige Mimik für einen “stummen” Schauspieler :)

Antworten

elbenno September 30, 2009 um 10:49

“Grundidee der Show war eine reale Umsetzung von Jump ’n’ Run-Computerspielen wie Super Mario.” (Wiki)

Klingt eigentlich witzig. Ob es jetzt grundsätzlich als Geld-Mach-Maschine angelegt war, oder einfach der Test für ein neues Sendeformat, weiß ich nicht. Dass es später viel Geld abgeworfen hat, ist klar. Ich würde tippen, Kitano hat es anfangs schon ernst gemeint.

Antworten

Leave a Comment