Hinweis: Der nächste Klick führt in die wundersame Welt von Twin Peaks, einer großartigen Serie von David Lynch und Mark Frost aus dem Jahre 1990/91. Auch wenn keine Geheimnisse verraten werden, und sich alles sehr vage in Nebel hüllen wird – wer Twin Peaks nicht kennt, und noch völlig frei von Fremdeindrücken sehen möchte, setze sich nun ein Lesezeichen und schaue sich erst eine der besten TV-Serien an.
Prolog
Dass Twin Peaks überhaupt entstanden ist, war in erster Linie den beiden Agenten von David Lynch und Mark Frost zu verdanken. Diese dachten, es sei eine gute Idee, wenn Lynch und Frost einmal miteinander arbeiten würden. Zur selben Zeit war der amerikanische Fernsehsender ABC betreff der Einschaltquoten und Finanzen ziemlich am straucheln, Frost und Lynch bekamen freie Hand etwas außergewöhnliches für das Fernsehprogramm zu schaffen. Gecastet wurde eine Reihe von unbekannten Jungschauspielern, sowie einigen Veteranen, unter anderem Richard Beymer und Russ Tamblyn aus der West Side Story und Piper Laurie (Children of a Lesser God). Für die Hauptrolle des FBI Agenten Dale Cooper wurde Kyle Maclachlan engagiert, mit dem David Lynch zuvor schon Dune – Der Wüstenplanet und Blue Velvet gedreht hatte. Andere Schauspieler kamen im Verlauf der Serie hinzu, beispielsweise David Duchovny als transsexueller FBI-Agent oder Miguell Ferrer. Im Prequel Fire walk with me von 1992 tragen Stars wie Chris Isaak, David Bowie und Kiefer Sutherland zudem einen Teil der Vorgeschichte. David Lynch selbst spielt in einigen Folgen den schwerhörigen FBI-Agenten und Vorgesetzten Coopers Gordon Cole. Lynch wäre nicht Lynch, wenn es bei der Besetzung nicht auch einen ungewöhnlichen Zufall gegeben hätte: Während der Aufnahme spiegelte sich versehentlich Requisiteur Frank Silva in einem Spiegel. David Lynch war dermaßen von diesem Bild fasziniert, daß er Silva eine nicht unwesentliche Rolle in die Serie schrieb.
Der Pilotfilm
In der nordwestamerikanischen Kleinstadt Twin Peaks, in einem Tal umgeben von Wäldern nahe der kanadischen Grenze, wird eines morgens die tote Schülerin Laura Palmer entdeckt. Eingewickelt in Plastikplane am Ufer eines kleines Sees. Der örtliche Sheriff nimmt mit seinen Deputies die Ermittlungen auf, die Kunde des offensichtlichen Mordes bricht wie eine Welle über die Stadt herein. Sehr geschickt werden mit ihr sämtliche Figuren der Serie eingeführt und charakterisiert. Ein zweites Mädchen gilt als vermisst, die gesamte Stadt legt für diesen Tag die Arbeit nieder um zu Trauern. Unter den Jugendlichen aus Lauras näherem Bekanntenkreis brechen derweil Emotionen und gegenseitige Verdächtigungen aus. Zwischenzeitlich ist der FBI Agent Dale Cooper in Twin Peaks eingetroffen. Er vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Mord an Laura Palmer, und einem vorangegangen Mord, in dem er ermittelt. Sein Verdacht bestätigt sich. Bei der Obduktion der Leiche findet er ein “R” unter dem Fingernagel des Mädchens, die Verbindung zwischen beiden Morden und ein Hinweis auf den Mörder. Immer mehr Spuren kommen zusammen: Lauras Tagebuch, eine Videokassette und Zeugenaussagen von der Mordnacht. Schließlich taucht auch das vermisste Mädchen auf, welche mit Laura die Nacht verbracht hat, die jedoch stark traumatisiert und misshandelt in ein tiefes Koma fällt. Parallel wird eine zweite Storyline im Pilotfilm eröffnet, der Serie Dallas nicht unähnlich, vom rivalisierenden Machtkampf der Industrie und Großgrundbesitzer Catherine Martell und Benjamin Horne. Die erzählte Zeit des Pilotfilms umfasst einen Tag, der Tag 1 von Twin Peaks.
Staffel 1
Die erste Staffel beinhaltet sieben Folgen und greift direkt die Handlung des Piloten auf. Hauptsächlich werden in den Folgen Charaktere vertieft, miteinander vernetzt, Komplexität wird Stück für Stück aufgebaut. Es offenbart sich, dass eine schiere Vielzahl an Menschen direkten Kontakt mit Laura Palmer pflegten. Der Kreis an Verdächtigen, die für den Mord infrage kommen könnten, wächst an. Desweiteren werden Kokainspuren in Lauras Hinterlassenschaften gefunden, es offenbart sich ein Drogenring, der über ein Bordell jenseits der kanadischen Grenze geführt wird, welches wiederum direkt an einen Machthaber in Twin Peaks anknüpft. Der FBI-Agent Dale Cooper offenbart seine intuitiven Ermittlungsmethoden, als Freund Tibets und der Meditation, erscheint ihm Laura Palmer in einem Traum. Sie flüstert ihm den Namen des Mörders ins Ohr, jedoch hat Cooper diesen am nächsten Morgen wieder vergessen. Unter den Jugendlichen in Twin Peaks löst sich eine Gruppe, welche die Aufklärung des Falls in eigene Hände nehmen möchte. Dies führt zu einigen prekären Situationen. Die letzte Folge der Staffel beeinhaltet zu jedem, der mittlerweile zahlreichen Handlungsstränge, einen Cliffhanger. Für beide Staffeln führen übrigens unterschiedliche Regisseure durch die Folgen, David Lynch tritt nur bei wichtigen Schlüsselfolgen als ausführender Regisseur in Erscheinung.
Staffel 2
Die zweite Staffel Twin Peaks beinhaltet 22 Folgen. So viel sei verraten, der Mord an Laura Palmer wird aufgelöst. Ein tiefschürfender Moment, den man nie wieder vergessen wird. David Lynch bedauert zutiefst die Offenlegung, die durch Druck seitens des Fernsehenders erzielt wurde. Eine Henne, die goldene Eier legt, darf man nicht schlachten – so Lynch heute. Eine neue Storyline wird zeitgleich entworfen, die zwar gut und spannend gemacht ist, aber nicht mehr den Hauptreiz der Serie würdevoll ersetzen kann. Die gesunkenen Einschaltquoten zeigen diesen Fehler deutlich. Jedoch findet hier auch große Innovation statt. Mit der verstärkten Zuwendung zu übersinnlichen Phänomenen wird Twin Peaks der Vorreiter für eine andere erfolgreiche Fernsehserie. Nach Beendigung der Dreharbeiten beginnt ein Teil des Teams mit Akte X, an der Spitze David Duchovny, der seinen Einstand als FBI-Agent in der zweiten Staffel von Twin Peaks feiert. Twin Peaks geht gegen Ende der Staffel aufs Ganze: Viele Mysterien und Geheimnisse bleiben ungeklärt, man arbeitet auf eine dritte Staffel hin, die jedoch nie erscheinen wird. Für David Lynch Filmfans erweist sie sich als wahre Fundgrube für prototypische Figuren und Symbole, die in späteren David Lynch Filmen immer wieder auftauchen.
Fire walk with me
1992 brachte David Lynch das Sequel Twin Peaks: Fire walk with me in die Kinos, ein Film, der bei der Uraufführung in Cannes regelrecht ausgebuht wurde. Die Kritik war empört. Was war geschehen? Ein guter Teil der Besetzung fehlte, teilweise durch andere Projekte verhindert, teilweise an der Zusammenarbeit nicht mehr interessiert. Ein weiteres Fettnäpchen: David Lynch käut im Wesentlichen die brutalen Geschehnisse der Mordnacht wieder, einen Teil der Geschichte also, den sich Serienfreunde über Folgen hinweg selbst erarbeitet haben, stets verborgen im Dunkel der eigenen Imagination. Brutale Bilder, die man so eigentlich nicht sehen möchte. Zu einer wahren Enttäuschung führt dann der Umstand, dass erhoffte Antworten auf Fragen erneut offen bleiben. David Lynch setzt sogar noch eins drauf, und macht alles verworrener und undurchdringlicher. Fire walk with me ist beinahe ein Rachefeldzug gegen die Erwartungshaltung, der nur in einer 30minütigen Rahmenhandlung mit Neubesetzung frische Aspekte und Details der Vorgeschichte herausarbeitet. Das zentrale Figurengespann, die beiden Freundinnen Laura Palmer und Donna Hayward, sind ein wirkliches Problem. Laura Palmer, von Sheryl Lee gespielt, taucht in der Serie praktisch kaum auf, ist sie ja dort von Anfang an tot. Für Donna fehlt wiederum die Originalschauspielerin, sie musste für den Film neubesetzt werden. Zwei Schauspielerinnen im Mittelpunkt, die man nicht unbedingt mit Twin Peaks verbindet und die auch nicht unbedingt überzeugend spielen. Wie weit kann Twin Peaks gehen? Nur treue Fans folgen Lynch in diesen Film.
Epilog
Twin Peaks ist eine der besten Serien der Welt. Sie hatte einen gewaltigen Erfolg, sie hatte ihren Höhepunkt und einen langsamen Abstieg. Wie es sich für ein Medienphänomen gehört, finden auch heute noch jährlich Conventions und Treffen in Snoqualmie nahe Seattle statt, dem Originaldrehort für Twin Peaks. Die Serie steckt voller Referenzen, Zitate und Verweise auf die Filmgeschichte, und wird selber gerne zitiert, von den Simpons bis hin zu Tarrantino Filmen. Das Besondere an der Twin Peaks Serie ist aber die Fülle, die Tiefe und der Reichtum. Wunderbare Charaktere, Schauplätze, Ästhetik und Ideen. Witzige Momente, ernste Momente und Spannung. Kyle Maclachlan und David Lynch haben dieses Jahr über eine mögliche Fortsetzung als Internetserie gesprochen, kleine Minifolgen mit kurzer Spieldauer. Twin Peaks Fans warten seit bald 20 Jahren auf ein Lebenszeichen und Auflösung. Doch wird man letztendlich das letzte Geheimnis aufdecken? Twin Peaks wird ein Rätsel bleiben.
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Immer noch dabei.
Ich schätze, die Tage werde ich mich dann mal zur ersten Staffel äußern …Bis jetzt jedenfalls großartig.
Ich bin da ja nie reingekommen. Ich mein, ich habe Folgen gesehen, ich meine auch den Film gesehen zu haben. Und ich fands auch gut. Aber ich bin nie dran geblieben, habe immer mal wieder Sachen verpasst. Sollte mir bei Gelegenheit mal die DVDs holen.
zum niederknien gut die serie… :O
sehr schöner artikel. da komm ich glatt in ein nostalgie-loch und muss mir die serie selbst noch einmal anschauen
@ Dr. Borstel & Stiller: Dranbleiben Jungs!!
@ Don : Danke, das musste mal gesagt werden!
Mhm. Ich habe nicht auf “weiterlesen” geklickt, denn Twin Peaks steht noch auf meiner To-Do-Liste. Mal sehen, was Dr. Borstel über die erste Staffel berichtet.
Ist gut, bin auch mal auf Dr.Borstels Diagnose gespannt.
Hab weder Film noch Serie jemals gesehen, hab ich wohl was verpasst, was?!?
Das ist der längste Eintrag in diesem Blog bisher. Ja!!
Kreisch!

Ich liebe liebe liebe diese Serie!!!!!!!!!!!!!!!
Einfach super genial!
Der Film jedoch hat mir nicht gefallen… Da fehlte soviel Herz…
Auf TwinPeaks! Cheers! Verdammt guter Kaffee!
Huhu Abraxandria. Ich habe diesen Eintrag übrigens nur geschrieben, um dich aus dem Urlaub direkt in die Astronautenbar zu angeln!!
Der Kaffee geht auf’s Haus!