Es ist denkbar einfach (und verständlich), diesen Film schlecht zu finden. Die Astronautenbar gibt sich trotzdem Mühe:
Revenge of the Fallen (2009) ist nicht schlechter oder besser als der erste Transformers Film von 2007. Er ist mehr ein technisches Update, wie bei einer Videospielreihe: mehr Effekte, bessere Effekte, alles ist größer und gewaltiger, die Schauplätze und Bilder. Und seien wir mal ehrlich, Michael Bay oder besser die CGI-Abteilung zeigen, was heutzutage an Tricktechnik in Filmen möglich ist. Ist zwar total protzig und oberflächlich, aber so ist das beim Unterhaltungs- und Actionkino jeher, man setzt auf das visuelle Spektakel. Es ist nicht verwunderlich, dass das Kino seinen Ursprung als Jahrmarktattraktion fand. Es geht um Sensation, es geht um offene Münder.
Knapp 200.000.000 $ hat Transformers 2 gekostet. Irgendwie hat das die Kritik unheimlich verärgert. Und nicht selten wurde Michael Bay eine völlige Unfähigkeit unterstellt, mit dieser Summe einen halbwegs vernünftigen Film herzustellen. Wirtschaftlich gesehen ist das totaler Unsinn, der Film hat mittlerweile mehr als das vierfache eingespielt, allein zur US-Premiere waren die Hälfte der Kosten eingespielt und die weitere Verwertung ist noch nicht mal miteinberechnet. Bay ist die eierlegende Wollmilchsau Hollywoods überhaupt.
Uwe Boll beleidigte Michael Bay noch zum ersten Transformers öffentlich im Internet. Argumentation: Mit diesem gewaltigen Budget besitzt der Film verständlicherweise ein zu erwartendes Niveau an bahnbrechenden Trickeffekten, Defizite findet man lediglich in der Story und den Charakteren – also in der eigentlichen Aufgabe des Regisseurs Bays. Als Bays Anwälte anrückten, nahm Boll kleinlaut sämtliche Äußerungen und Beleidigungen zurück. Mal davon abgesehen, dass Uwe Boll selbiges auch nicht besser hinbekommt. Aber mal ehrlich: Transformers ist ein Film über Spielzeugroboter. Über Spielzeugroboter. Wem die Umsetzung zu albern erscheint, sollte sich mal fragen, ob der Versuch einer ernsten Version nicht erst recht albern wäre.
Wer braucht Transformers Filme eigentlich? Niemand. Und das ist die eigentliche Crux an der ganzen Sache. Die Thematik ist unnötig, die Umsetzung ist unnötig, die 200 Millionen Dollar Kosten sind unnötig. Transformers 1 und 2 sind Luxusfilme. Und irgendwie spielt da für viele Leute etwas Ethik mit rein. In den Jahren der Wirtschaftskrise, in einer Welt, in der die Schere zwischen Armut und Reichtum immer weiter auseinanderklafft, scheint es irgendwie frevelhaft, so viel Geld auf so viel Unsinn zu konzentrieren. Irgendwo verhungern Menschen, und wir beschäftigen uns mit Transformers. Letztendlich sind die Transformers erdenklich gute Stellvertreter oder Projektionsflächen einer mächtigen und seelenlosen Unterhaltungsindustrie, und somit nur noch Mittel zum Zweck. Von den Transformers Fans und Nerds gar nicht zu reden, die sich ihrer Vorstellungen und Kindheitsträume beraubt fühlen.
Andererseits, ja andererseits. Was werden weltweit Milliardenbeträge für Rüstung und (realen) Krieg in den Wind geschossen. Schräger Vergleich, bei der finanziellen Größenordnung aber plausibel, irgendwie scheinen da 200 Millionen Dollar in einen Film besser investiert. Das Kino wird in den nächsten Jahren die Frage beantworten, wie der erste Film mit einer halben oder einer ganzen Milliarde Dollar Produktionskosten aussehen wird. Der Tanz um das goldene Kalb. Zumal eine gute Erzählung ja nie ausgeschlossen ist. Transformers 2: Revenge of the Fallen ist pubertär, übertrieben, Unsinn und unnötig. Und bereits nach einer halben Stunde hat man so viel Action und Special-Effects gesehen, dass man die restlichen 1 1/2 Stunden gar nicht mehr bräuchte. Der Film hält uns eines sehr gut vor Augen: Überfluss. Und ist somit ein Zeichen unserer Zeit, also relevant.
(Mikaela dresses up in a fancy dress to surprise Sam)
Sam Witwicky: Wow!
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Film- und Sozialkritik in einem, toll geschrieben! Viel mehr gibt’s da auch nicht hinzuzufügen. Ich werde mir den Film jedenfalls sparen …
Tolles Review Elbenno. Persönlich hab ich ja nix gegen “Hirn-aus-und-lass-es-krachen” Filme. Allerdings hat mich Transformers in keinster Weise gut unterhalten, ich war irgendwann nur noch überfordert und hab ihn dann noch vor dem Ende ausgemacht.
Ich war auch nicht sehr zimperlich mit dem ersten Teil. Die erste halbe Stunde reicht??? Das gilt ja dann wirklich für alle Teile.
Und wie kommt es das Uwe Boll Kritik übt? Der sollte sich vielleicht erst einmal seine eigenen Filme anschauen, denn dann würde er erkennen, dass man sich eher Transformers statt nen Boll-Film angucken sollte
“Es ist denkbar einfach (und verständlich), diesen Film schlecht zu finden. Die Astronautenbar gibt sich trotzdem Mühe”
Was für ein herrlicher Anfang!!!
Schöne Schreibe!
Ich muss sagen, ich habe nur den ersten Teil gesehen, neulich auf Pro7. Ich habe nichts erwartet, außer ein bisschen Unterhaltung, Gehirndurchlüftung, Popcorn-Kino. Und das hatte der Film drauf. Er ist natürlich völlig überzogen und albern, aber trotz allem hatte ich ein bisschen mehr Spaß als bei, sagen wir, Illuminati. Kann man natürlich überhaupt nicht vergleichen, aber selbst bei der Dan Brown-Verfilmung hatte ich keine Erwartungen. Wurde aber nur schlecht unterhalten.
“Aber mal ehrlich: Transformers ist ein Film über Spielzeugroboter. Über Spielzeugroboter.”
Herrlich!
Zum Film hast du eigentlich alles gesagt, der ist einfach nur Mist. Mir hat nicht einmal die Action gefallen und die Effekte für mich nicht nach 200 Mio. $ aussahen. Besonders die Bewegungen und Kämpfe zwischen den überdimensionalen Robotern fand ich (recht) schwach animiert.
“Das Kino wird in den nächsten Jahren die Frage beantworten, wie der erste Film mit einer halben oder einer ganzen Milliarde Dollar Produktionskosten aussehen wird.”
Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass in den nächste 50 Jahren ein Film wirklich in die Nähe dieser horrenden Summen heranreichen wird (wahrscheinlich irre ich mich da jetzt aber gewaltig^^). Denn die Tricks werden ja auch immer günstiger, wenn man deren Qualität betrachtet. Aber solch teure Filme werden wahrscheinlich nie wirklich tiefgründig sein…